Corporate Housekeeping

Halten Sie Ihre Gesellschaftsdokumente in Form

Jedes Jahr kommen bestimmte Aufgaben des Corporate Housekeepings auf Sie zu. Als engagierte Startup-/VC-Anwälte und Gesellschaftsrechtler möchten wir Sie bestmöglich dabei unterstützen, diese Aufgaben für Sie reibungslos und einfach zu gestalten. Aus diesem Grund haben wir die wichtigsten Corporate Housekeeping-Aufgaben in der folgenden Übersicht zusammengefasst:

 

  • Ordentliche Generalversammlung der Aktionäre;
  • Protokoll der Verwaltungsratssitzung;
  • Verzicht auf die ordentliche Revision;
  • Änderungen beim Handelsregister;
  • Führung eines Aktienbuches und eines Verzeichnisses der wirtschaftlich Berechtigten;
  • Aufbewahrung von Geschäftsunterlagen /-büchern;
  • Kapitalverlust und Überschuldung;
  • Aktualisierung des bedingten Kapitals;
  • Steuern;
  • Nichtfinanzielle Berichterstattung;
  • Due Diligence-Pflichten bzgl. Kinderarbeit und Konfliktmineralien.

 

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Neben den stets aktuellen Themen geben wir in unserem diesjährigen Leitfaden zum Corporate Housekeeping einen Einblick in die wichtigsten Änderungen des Schweizer Gesellschaftsrechts für 2026, darunter Änderungen des Schweizerischen Obligationenrechts (das “OR”) und damit zusammenhängender Gesetze.

Insbesondere führt die neue Schweizer Transparenzregulierung (Transparenzgesetz und Transparenzverordnung, zusammen die “TR”) umfassende Melde- und Mitteilungspflichten für Unternehmen, ihre Aktionäre und die wirtschaftlich Berechtigten an Aktien ein und ersetzt damit die bisherigen Vorschriften in Art. 697j bis 697m OR. Wir empfehlen Unternehmen, sich frühzeitig mit der neuen TR vertraut zu machen und effiziente Prozesse zur Identifizierung, Verwaltung und Übermittlung von Informationen über ihre wirtschaftlich Berechtigten an die zuständige Behörde einzurichten. Im entsprechenden Abschnitt geben wir einen Überblick über die wichtigsten Punkte.

Wichtiger Hinweis: Seit 1. Januar 2023 bietet das Schweizer Gesellschaftsrecht mehr Flexibilität, beispielsweise in Bezug auf Beschlüsse der Generalversammlung (die “GV”) und des Verwaltungsrats (der “VR”) sowie das Aktienkapital (das Kapitalband).

Wenn Ihre Statuten (die “Statuten”) vor dem 1. Januar 2023 verabschiedet wurden, beachten Sie bitte, dass alle Bestimmungen, die im Widerspruch zum revidierten Gesellschaftsrecht stehen, am 1. Januar 2025 (dem Ende der Übergangsfrist) unwirksam geworden sind. Um die neue Flexibilität nutzen zu können, müssen Sie Ihre Statuten vor Ihrer jährlichen Generalversammlung (die “oGV”) durch eine notariell beglaubigte GV aktualisieren.

Beachten Sie bitte, dass die nachstehenden Erläuterungen und Hinweise nur für nicht börsenkotierte Gesellschaften mit Sitz in der Schweiz gelten, die als Aktiengesellschaft organisiert sind. Einige der Bestimmungen gelten auch für Gesellschaften mit beschränkter Haftung (société à responsabilité limitée). Wir beraten Sie gerne auch in Bezug auf Gesellschaften mit beschränkter Haftung.

Ordentliche Generalversammlung

Einberufung

Die oGV muss jedes Jahr innerhalb von sechs Monaten nach Ablauf des Geschäftsjahres stattfinden, d.h. spätestens am 30. Juni bei Gesellschaften mit dem Kalenderjahr als Geschäftsjahr. Die oGV wird in der Regel vom VR einberufen, wobei die Einberufungsfrist nach Gesetz und Statuten zu beachten ist, welche in der Regel 20 Kalendertage beträgt. Ein Verzicht auf die Einberufungsfrist ist nur möglich, wenn alle Aktionäre persönlich oder durch einen Bevollmächtigten (Universalversammlung) an der oGV teilnehmen oder wenn alle Aktionäre einem schriftlichen oder elektronischen Beschluss zustimmen.

Die Einberufung der oGV erfolgt durch Einladung in der in den Statuten festgelegten Form unter Angabe des Datums, der Uhrzeit, der Art (persönlich, hybrid, virtuell, sofern die Statuten dies bereits zulassen oder schriftlich) und des Ortes der oGV, der Traktanden und der Anträge des VR sowie der Aktionäre, sofern welche durch diese vorgebracht wurden. Darüber hinaus müssen den Aktionären spätestens 20 Kalendertage vor der oGV der Geschäftsbericht und, sofern eine Revisionsstelle bestellt ist, der Revisionsbericht, zugänglich gemacht werden. Sind die Dokumente nicht elektronisch zugänglich, wie beispielsweise auf der Webseite der Gesellschaft, kann jeder Aktionär verlangen, dass sie ihm rechtzeitig zugestellt werden.

Die Aktionäre können sich durch einen Bevollmächtigten in Schriftform und, soweit nicht ausdrücklich in den Statuten untersagt, in einer anderen durch den VR beschlossenen Form, in der oGV vertreten lassen. Daher ist es ratsam, die Voraussetzungen zu prüfen und der Einladung ein Vollmachtsformular beizufügen. Da der VR die Traktanden einschliesslich der dazugehörigen Anträge festlegt, muss vor dem Versand der Einladung ein entsprechender VR-Beschluss gefasst werden, in dem die Einberufung der oGV zusammen mit den Traktanden und Anträgen beschlossen wird. Falls noch nicht geschehen, muss der VR auch die der oGV vorzulegende Jahresrechnung genehmigen.

Der VR ist befugt, die Modalitäten der oGV festzulegen, sofern in den Statuten nichts anderes bestimmt ist. Es gibt drei Möglichkeiten, die oGV abzuhalten:

 

  • Physische oGV: Die oGV kann an einem oder mehreren physischen Orten gleichzeitig abgehalten werden, auch im Ausland (unter bestimmten Bedingungen).
  • Virtuelle oGV: Die oGV kann, sofern die Statuten dies vorsehen und der VR einen unabhängigen Stimmrechtsvertreter ernennt (es sei denn, in den Statuten wird darauf verzichtet), virtuell (z.B. über MS Teams oder Zoom) abgehalten werden, d.h. ohne einen physischen Veranstaltungsort.
  • Hybride oGV: Die oGV kann auch als hybride Veranstaltung durchgeführt werden, bei der bestimmte Aktionäre an einem physischen Ort zusammenkommen und andere Aktionäre elektronisch teilnehmen.

 

Kommen bei der oGV elektronische Mittel zum Einsatz, so hat der VR deren Einsatz zu regeln, beispielsweise durch den Erlass von Reglementen oder Weisungen, sofern dies nicht bereits durch eine entsprechende Bestimmung in den Statuten geregelt ist. Der VR muss sicherstellen, dass:

 

  • die Identität der Teilnehmer feststeht;
  • die Voten in der oGV unmittelbar übertragen werden;
  • jeder Teilnehmer Anträge stellen und sich an der Diskussion beteiligen kann;
  • die Aktionäre elektronisch abstimmen können; und
  • das Abstimmungsergebnis nicht verfälscht werden kann.

 

Darüber hinaus können die Beschlüsse der oGV auch im Wege der schriftlichen Zustimmung oder elektronisch über eine spezielle Plattform wie DocuSign gefasst werden (in diesem Fall sollte der VR handschriftliche oder qualifizierte elektronische Unterschriften verlangen, um das Risiko, dass die Gültigkeit des betreffenden Beschlusses angefochten wird, auszuschliessen). Die Aktionäre stimmen für jeden Tagesordnungspunkt mit Ja, Nein oder Enthaltung. Diese Art der Durchführung der Hauptversammlung erfordert jedoch die Zustimmung aller Aktionäre, d.h. kein Aktionär kann eine mündliche Beratung verlangen, auch wenn er sich entscheidet, an dem betreffenden Beschluss nicht teilzunehmen.

Wenn die oGV-Beschlüsse zu fassen hat, die notariell beglaubigt werden müssen, sollte die Art der Durchführung der oGV vor der Einberufung mit dem/der Anwalt/Anwältin oder dem/der Notar/in besprochen werden.

Wenn die Gesellschaft der Pflicht zur Durchführung einer ordentlichen Revision unterliegt, muss auch die Revisionsstelle zur oGV eingeladen werden. Die oGV kann jedoch einstimmig beschliessen, auf die Anwesenheit der Revisionsstelle zu verzichten. Wenn die Gesellschaft einer eingeschränkten Revision unterliegt oder vom Opt-Out Gebrauch gemacht hat, ist die Anwesenheit eines Revisors nicht erforderlich. Für die überwiegende Mehrheit der Gesellschaften trifft der zweite Fall (Opt-Out oder eingeschränkte Revision) zu.

Es besteht jedoch eine Pflicht zur Prüfung der Jahresrechnung (in Form einer eingeschränkten Revision, wenn die Schwellenwerte für eine ordentliche Revision nicht erreicht werden), wenn die Jahresrechnung einen Kapitalverlust ausweist, d.h. wenn die Aktiven abzüglich der Verbindlichkeiten die Hälfte der Summe aus Aktienkapital, nicht an die Aktionäre zurückzahlbarer gesetzlicher Kapitalreserve und gesetzlicher Gewinnreserve nicht mehr decken (Art. 725a OR). Falls noch keine Revisionsstelle gewählt wurde, muss der VR im Falle eines Kapitalverlustes vor der oGV ad hoc eine Revisionsstelle wählen. Daher ist es umso wichtiger, dass der VR die Bilanzsituation sowie die Liquidität, für die ebenfalls neue Verantwortlichkeiten eingeführt wurden (vgl. unten), genau überwacht.

 

Traktanden/Anträge

Übliche Traktanden sind:

 

  • Genehmigung des Jahresabschlusses;
  • Genehmigung des Lageberichts und der Konzernrechnung, sofern diese erstellt werden müssen;
  • Verwendung des Bilanzgewinnes oder -verlusts;
  • Entlastung der Mitglieder des VR und der Geschäftsleitung;
  • Wiederwahl bestehender VR-Mitglieder, wenn ihre Amtsdauer abläuft, und/oder Wahl neuer VR-Mitglieder.
    • Sofern keine Wiederwahl der bestehenden VR-Mitglieder, deren statutarische Amtszeit abläuft, erfolgt, endet ihre Amtszeit automatisch sechs Monate nach Ablauf des vorangegangenen Geschäftsjahres und die Gesellschaft kann handlungsunfähig werden (Organisationsmangel);
    • Wenn VR-Mitglieder mit Wohnsitz im Ausland eine Vergütung erhalten, muss unbedingt mit lokalen Anwälten geprüft werden, ob die Gesellschaft die Gesetze und Vorschriften des jeweiligen Landes einhält, insbesondere ob die Tätigkeit im VR als selbständige oder unselbständige Tätigkeit einzustufen ist und ob dementsprechend Sozialversicherungsbeiträge von der Gesellschaft abgeführt werden müssen.

 

Optionale Traktanden nach Bedarf oder Notwendigkeit sind:

 

  • Wiederwahl oder Wahl der Revisionsstelle (auch hier ist die Amtszeit zu berücksichtigen);
  • Beschlussfassung über die Festsetzung einer Zwischendividende und Genehmigung des dafür erforderlichen Zwischenabschlusses;
  • Beschlussfassung über die Rückzahlung der gesetzlichen Kapitalreserven;
  • Gegebenenfalls weitere Themen, wie beispielsweise Statutenänderungen.

 

Quorum

Das Gesetz sieht kein Anwesenheitsquorum vor. Somit ist die oGV beschlussfähig, auch wenn nur ein einziger Aktionär teilnimmt. Allerdings können allfällig vorhandene Aktionärsbindungsverträge und/oder die Statuten ein solches Anwesenheitsquorum vorsehen, das dann entsprechend zu beachten ist. In solchen Fällen empfehlen wir – falls nötig – die Einholung von Vollmachten, damit das erforderliche Quorum erreicht werden kann.

Das Quorum für Beschlüsse wird in erster Linie durch die Statuten und/oder den allfällig vorhandenen Aktionärsbindungsvertrag geregelt. Die Bestimmungen des Aktionärsbindungsvertrags, falls ein solcher existiert, gehen oft weiter als die Bestimmungen der Statuten.

 

Protokoll

Die Beschlüsse der oGV müssen in einem Protokoll festgehalten werden, das vom Vorsitzenden und dem Protokollführer zu unterzeichnen ist. Bitte beachten Sie, dass einige Beschlüsse die Mitwirkung eines Notars erfordern (beispielsweise die Verlegung des Sitzes der Gesellschaft in eine andere Gemeinde, Änderungen des Gesellschaftskapitals, des Gesellschaftszwecks oder Satzungsänderungen). Bei Zweifeln empfehlen wir Ihnen, sich von Anwälten beraten zu lassen, ob bestimmte Beschlüsse der oGV notariell beglaubigt werden müssen.

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Protokolle der Verwaltungsratssitzungen

Über die VR-Sitzungen muss gemäss Gesetz ebenfalls ein Protokoll geführt werden. Dies gilt auch für einen VR, der nur aus einer Person besteht. Die Erfahrung zeigt, dass Protokolle oft vernachlässigt werden. Um das Haftungsrisiko der VR-Mitglieder zu reduzieren, aber auch um den Erwartungen potenzieller Investoren im Rahmen einer Legal Due Diligence gerecht zu werden, empfehlen wir Ihnen, die VR-Sitzungen sorgfältig zu protokollieren. Es können auch Folien verwendet werden, die jedoch einem ordentlichen Protokoll angehängt werden sollten. 

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Verzicht auf die ordentliche Revision

Viele Start-Ups bestellen keine Revisionsstelle (d.h. sie verzichten darauf, den Jahresabschluss einer eingeschränkten Revision zu unterziehen (das “Opt-Out”)). Dies ist jedoch nur möglich, wenn:

 

  • Alle Aktionäre dem Opt-Out zustimmen; und
  • Ihr Unternehmen im Jahresdurchschnitt nicht mehr als zehn Vollzeitstellen (die “FTE”) hat; und
  • keine Pflicht zu einer ordentlichen Revision besteht.

 

Sie müssen daher prüfen, ob diese Voraussetzungen im Geschäftsjahr 2025 vorlagen. Zur Berechnung des Schwellenwerts von zehn FTE sind nach der überwiegenden Meinung in der juristischen Fachliteratur die Beschäftigungsprozentsätze aller Arbeitsverträge (Teilzeit und Vollzeit) zu addieren.

Wenn Ihr Unternehmen zehn FTE oder mehr hat und nicht der ordentlichen Revision unterliegt, unterliegen Sie der Pflicht zu einer eingeschränkten Revision. In diesem Fall gilt Folgendes:

 

  • Wahl der Revisionsstelle: Die oGV muss eine Revisionsstelle wählen, die die Jahresrechnung mit einem eingeschränktem Umfang prüft (Review).
  • Ausserordentliche GV: In diesem Fall muss vor der oGV für das Geschäftsjahr 2025 eine ausserordentliche GV abgehalten werden, um eine entsprechende Revisionsstelle zu bestimmen.
  • Registrierung: Die so gewählte Revisionsstelle muss dann ins Handelsregister eingetragen werden.
  • Revisionsbericht: Liegt der geforderte Revisionsbericht an der oGV nicht vor, sind die Beschlüsse über die Genehmigung der Jahresrechnung und die Verwendung des Bilanzgewinns nichtig.
  • Kapitalverlust: Zu beachten ist zudem, dass neu auch im Fall des Vorliegens eines Kapitalverlusts die Jahresrechnung einer eingeschränkten Revision durch einen zugelassenen Revisor unterzogen werden muss.

 

Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass bestimmte Grossunternehmen (z.B. solche, die mindestens zwei der folgenden Grössen überschreiten: Bilanzsumme von CHF 20 Millionen, Umsatz von CHF 40 Millionen oder 250 FTE im Jahresdurchschnitt) einer ordentlichen Revision unterliegen. Wenden Sie sich gerne an uns, wenn Sie weitere Beratung zur ordentlichen Revision benötigen.

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Änderungen im Handelsregister

Bestimmte Änderungen müssen dem zuständigen Handelsregisteramt zur Eintragung gemeldet werden, darunter die folgenden:

 

  • Jede Änderung der Statuten (die ebenfalls notariell beurkundet werden muss);
  • Rücktritte aus dem und Wahlen in den VR;
  • Wahl, Abberufung oder Wechsel der Revisionsstelle;
  • Sitzverlegung der Gesellschaft;
  • Erteilung, Widerruf und Änderung der Zeichnungsberechtigung;
  • Änderung der personenbezogenen Informationen (Name, Heimatort/Staatsangehörigkeit, Wohnsitz);
  • Änderungen in Bezug auf das Aktienkapital und den Gesellschaftszweck;
  • Änderung des Firmennamens.

 

Bitte beachten Sie, dass die unterlassene Anmeldung von Änderungen im Handelsregister strafbar ist.

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Führung eines Aktienbuchs, eines Verzeichnisses der wirtschaftlich Berechtigten und Übermittlung ans Transparenzregister

Jede Gesellschaft mit Namenaktien ist verpflichtet, ein Aktienbuch und ein Verzeichnis der wirtschaftlich Berechtigten zu führen. Darüber hinaus verpflichtet die neue TR jedes Unternehmen mit Sitz in der Schweiz, innerhalb eines Monats nach Eintragung des Unternehmens in das Handelsregister oder nach Bekanntwerden einer Änderung der wirtschaftlich Berechtigten, Informationen über seine wirtschaftlich Berechtigten (jeweils ein “wB”) zu identifizieren, zu dokumentieren und dem Schweizer Transparenzregister zu melden.

Nach der neuen TR gilt eine Person als wB, die als natürliche Person die Gesellschaft dadurch kontrolliert, dass sie:

 

  • direkt oder indirekt, allein oder in gemeinsamer Absprache mit Dritten, Aktien erwirbt und dadurch die Schwelle von 25 % des ausgegebenen Aktienkapitals oder der Stimmrechte erreicht oder überschreitet; oder
  • die Gesellschaft “auf andere Weise” kontrolliert (z. B. durch Nominierungs-/Vetorechte, Vereinbarungen mit anderen Aktionären oder familiäre Bindungen).

 

Jeder solche wB muss das Unternehmen innerhalb eines Monats nach Erwerb der Aktien benachrichtigen und die erforderlichen Informationen und Unterlagen vorlegen. In dieser Mitteilung sollte die natürliche Person angegeben werden, der die Aktien wirtschaftlich zuzurechnen sind. Wenn es keine solche natürliche Person gibt, muss das Unternehmen entsprechend informiert werden.

Handelt es sich beim Aktionär um eine natürliche Person und liegt keine Treuhandvereinbarung vor, ist der wB in der Regel der Aktionär selbst. Bei juristischen Personen als Aktionäre ist die natürliche Person der wB, die zu mindestens 50 % an der juristischen Person beteiligt ist. In manchen Fällen kann es schwierig sein, den wB zu ermitteln. Im Zweifelsfall empfiehlt es sich, Rechtsrat einzuholen.

In Abhängigkeit davon, wie ein Unternehmen in der Vergangenheit die Vorschriften zum wB eingehalten hat, gelten mit Inkrafttreten des TR am 1. Oktober 2026 folgende initiale Verpflichtungen:

 

  • Aktionäre, die die Meldepflichten nach der bisherigen wB-Regelung erfüllt haben, gelten als konform mit der neuen TR, sofern die gemeldeten Personen der neuen Definition eines wB entsprechen. Auf Verlangen der Gesellschaft sind innerhalb eines Monats zusätzliche Informationen vorzulegen.
  • Alle bestehenden wB-Register, die nach der bisherigen wB-Regelung angelegt wurden, müssen nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes zehn Jahre lang aufbewahrt werden.
  • Ein bestehendes Unternehmen, das vor Inkrafttreten der neuen TR kein wB-Register hatte, muss eine Erstmeldung einreichen. Je nach Unternehmensart und Prüfungsstatus gelten gestaffelte Übergangsfristen von drei bis sechs Monaten. Sind alle wBs bereits als Aktionäre oder Organe im Handelsregister eingetragen, verlängert sich die Frist auf zwei Jahre.

 

Die Nichteinhaltung der gesetzlichen Anforderungen für das Aktienbuch, das wB-Register sowie der neuen TR kann zu schweren Sanktionen führen kann, darunter Geldstrafen von bis zu CHF 500’000 und sogar strafrechtliche Verfolgung.

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Aufbewahrung von Geschäftsunterlagen/-büchern

Jedes Unternehmen sollte alle Geschäftsunterlagen wie Protokolle, Verträge, Aktienbuch, Handelsregisterauszüge, vollständige Nachweise über Aktienübertragungen (Aktienkaufverträge, falls vorhanden, inkl. Abtretungserklärungen sowie die entsprechenden Beschlüsse des VR über die Genehmigung der jeweiligen Aktienübertragung), alle den Behörden einzureichenden Dokumente inkl. der dazugehörenden Beilagen, Darlehensverträge, Arbeitsverträge, Dokumente zu IP/IT, Aktionärbindungsverträge etc. im Archiv aufbewahren. Die Dokumente sollten zumindest in digitaler Form verfügbar und leicht zugänglich sein. Die genauen Anforderungen an die Aufbewahrung finden sich in der entsprechenden Verordnung des Bundesrates (LINK). Dies ist insbesondere im Hinblick auf eine potentielle zukünftige Due Diligence-Prüfung wichtig.

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Erforderliche Massnahmen bei drohender Zahlungsunfähigkeit, Kapitalverlust und Überschuldung

Der VR ist für das Finanzmanagement der Gesellschaft verantwortlich. Dies beinhaltet, dass der VR verpflichtet ist, in finanziellen Krisensituationen zu handeln und geeignete Massnahmen einzuleiten, was wiederum eine regelmässige Überwachung der finanziellen Situation des Unternehmens durch den VR erfordert.

Hauptziel des Gesellschaftsrechts ist es, ein verlässliches “Frühwarnsystem” zu etablieren, damit bei finanziellen Schwierigkeiten der Gesellschaft möglichst frühzeitig Sanierungsmassnahmen eingeleitet werden können. Daher sieht das Gesetz nun folgende Handlungspflichten vor:

 

  • Massnahmen im Falle der drohenden Zahlungsunfähigkeit: Droht der Gesellschaft die Zahlungsunfähigkeit, so ergreift der VR mit der gebotenen Eile Massnahmen zur Sicherstellung der Zahlungsfähigkeit. Soweit erforderlich, trifft er weitere Massnahmen zur Sanierung der Gesellschaft oder beantragt diese bei der GV.
  • Sanierungspflicht im Falle eines Kapitalverlustes: Wenn aus der letzten Jahresrechnung hervorgeht, dass die Aktiven abzüglich der Verbindlichkeiten die Hälfte der Summe aus (i) Grundkapital, (ii) nicht an die Aktionäre zurückzahlbarer gesetzlicher Kapitalreserve und (iii) gesetzlicher Gewinnreserve nicht mehr decken, muss der VR mit der gebotenen Dringlichkeit Massnahmen zur Beseitigung des Kapitalverlustes ergreifen. Die letzte Jahresrechnung der Gesellschaft muss vor der GV einer eingeschränkten Revision durch einen zugelassenen Revisor unterzogen werden, auch wenn die Gesellschaft auf eine Prüfung verzichtet hat, es sei denn, der VR beantragt eine Nachlassstundung.
  • Sanierungspflicht im Falle der Überschuldung: Besteht die begründete Besorgnis einer Überschuldung, d.h. dass die Verbindlichkeiten nicht mehr durch die Aktiven gedeckt sind, muss der VR je einen Zwischenabschluss zu Fortführungs- und Veräusserungswerten erstellen und diesen durch einen zugelassenen Revisor prüfen lassen (auch im Falle eines Opt-Out). Ist die Gesellschaft gemäss beiden Zwischenabschlüssen überschuldet, so ist der VR zur Anzeige an das Gericht verpflichtet (Überschuldungsanzeige), es sei denn, dass die Gesellschaftsgläubiger im Umfang der Überschuldung (einschliesslich der Zinsforderungen während der Dauer der Überschuldung) im Rang hinter die Forderungen aller übrigen Gläubiger zurücktreten oder begründete Aussicht besteht, dass die Überschuldung innert angemessener Frist (d.h. spätestens 90 Tage nach Vorliegen der geprüften Zwischenabschlüsse) behoben werden kann und die Forderungen der Gläubiger nicht zusätzlich gefährdet werden.

 

Da die Nichteinhaltung der Pflichten nach Art. 725 OR zu einer persönlichen Haftung der VR-Mitglieder führen kann, empfehlen wir eine individuelle rechtliche Beratung.

Auch wenn die Revisionsstelle bei der Überwachung der finanziellen Lage der Gesellschaft behilflich sein kann und wird, ist letztendlich der VR für diese verantwortlich und muss die oben genannten Massnahmen aus eigener Initiative ergreifen.

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Aktualisierung des Aktienkapitals und des bedingten Kapitals

Wenn die Statuten ein bedingtes Kapital vorsehen und im Laufe des Geschäftsjahres 2025 Aktien aus dem bedingten Kapital ausgegeben wurden (z.B. im Rahmen von Mitarbeiterbeteiligungsplänen an Angestellte), muss ein zugelassener Revisionsexperte die Ausgabe der neuen Aktien prüfen und der VR das Aktienkapital in den Statuten im Beisein eines Notars anpassen und diese Änderungen beim Handelsregisteramt anmelden. Das Gesetz sieht keine zwingende Frist nach Ablauf des jeweiligen Geschäftsjahres vor, in der die oben genannten Handlungen vorgenommen werden müssen. Wir empfehlen jedoch, dies innerhalb von höchstens drei Monaten nach Ende des Geschäftsjahres zu tun.

Der VR ist befugt, die entsprechende Statutenbestimmung über das bedingte Kapital anzupassen oder aufzuheben, falls sie nicht mehr benötigt wird.

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Steuern

Reserven aus Kapitaleinlagen

Kapitaleinlagen, die von direkten Aktionären einer schweizerischen Gesellschaft nach dem 31. Dezember 1996 geleistet werden, müssen als Reserven aus Kapitaleinlagen (die “KER”) klassifiziert werden und in der Bilanz als separate Position als Kapitaleinlagereserven ausgewiesen werden.

Veränderungen des Betrages der KER sind der Eidgenössischen Steuerverwaltung (die “ESTV”) unaufgefordert mit dem Formular Nr. 170 innerhalb von 30 Tagen nach der oGV, die die Rückzahlung beschlossen hat, zu melden. Diese Meldepflicht kann bei Rückzahlungen oder, für Startups und KMUs praktisch relevanter, bei Kapitalerhöhungen mit Agio oder der Einbringung von Forderungen in das Eigenkapital der Gesellschaft (Debt-Equity-Swap) eintreten. Rückzahlungen an Aktionäre müssen innerhalb von 30 Tagen nach der oGV, die die Rückzahlung beschlossen hat, oder, falls kein entsprechender Beschluss der oGV gefasst wurde, spätestens 30 Tage nach der Rückzahlung gemeldet werden. Die Umwandlung von KER in Aktienkapital wird ebenfalls als eine Form der Rückzahlung angesehen und sollte entsprechend gemeldet werden.

Bei einer Kapitalerhöhung mit Agio innerhalb des Kapitalbandes werden Kapitalerhöhungen und Kapitalherabsetzungen verrechnet und die Meldung muss erst nach Ablauf des Kapitalbandes erfolgen. Ändert eine Kapitalgesellschaft zu Beginn eines Geschäftsjahres ihr Aktien- oder Stammkapital in eine für ihre Geschäftstätigkeit bedeutsame Fremdwährung, so ist innerhalb von 30 Tagen nach der Veröffentlichung der Währungsänderung im Schweizerischen Handelsamtsblatt ein separates Formular Nr. 170 mit einem Beiblatt zur Währungsumrechnung und einer Kopie der öffentlichen Urkunde einzureichen.

Das Formular Nr. 170 für die Meldung finden Sie hier (um das Formular zu bearbeiten, muss ein Programm, dass die ESTV als “Snapform Viewer” bezeichnet, heruntergeladen werden). Dem Formular sind das Protokoll der GV, bzw., im Fall der Einbringung von Forderungen, ein ordnungsgemäss unterzeichneter Kapitaleinbringungsvertrag, die ordnungsgemäss unterzeichnete Jahresrechnung (aus der der Saldo der KER aus dem Ausgabeerlös am Ende des Geschäftsjahres als separate Position hervorgeht) und die ordnungsgemäss unterzeichneten Kontoauszüge hinsichtlich der KER beizufügen. Diese Erklärungen sind notwendig, um eine spätere steuerneutrale Ausschüttung (oder andere Verwendung der KER) zu ermöglichen.

 

Verrechnungssteuer/Dividenden

In den folgenden Fällen muss eine inländische AG oder GmbH innerhalb von 30 Tagen nach der Generalversammlung eine ordentliche Verrechnungssteuererklärung (Formular Nr. 103 oder Formular Nr. 110) mit den entsprechenden Unterlagen bei der ESTV einreichen, selbst wenn keine Dividende beschlossen wurde (Erklärung von CHF 0.00):

 

  • die Bilanzsumme der Jahresrechnung 2025 übersteigt CHF 5 Millionen;
  • die oGV beschliesst für das Geschäftsjahr 2025 eine steuerpflichtige Dividende;
  • im Geschäftsjahr 2025 wurden verrechnungssteuerpflichtige Ausschüttungen an die Aktionäre vorgenommen;
  • die Gesellschaft nimmt den Beteiligungsabzug in Anspruch; oder
  • die Gesellschaft beruft sich auf Vorteile aus einem Doppelbesteuerungsabkommen.

 

Wurde eine steuerpflichtige Ausschüttung vorgenommen, muss die Verrechnungssteuer der ESTV gemeldet werden und die Steuer in Höhe von 35% muss innerhalb von 30 Tagen nach Fälligkeit der Ausschüttung bezahlt werden. Bitte beachten Sie, dass auch Zinszahlungen (z.B. auf Wandeldarlehen) in bestimmten Fällen verrechnungssteuerpflichtig sein können. Sollten Sie Fragen haben oder Unterstützung bei der Einreichung der Unterlagen benötigen, stehen wir Ihnen gern zur Verfügung.

 

Korrekte Ausstellung von Lohnausweisen bei Mitarbeiterbeteiligungsplänen

Alle Unternehmen, die ihren Mitarbeitenden oder Verwaltungsräten Aktien, Optionen, Phantomaktien, Stock Appreciation Rights oder andere Formen von aktienbasierten Vergütungen (Mitarbeiterbeteiligung) zugeteilt haben, müssen die Bestimmungen der “Verordnung über die Bescheinigungspflichten für Mitarbeiterbeteiligungen” (Mitarbeiterbeteiligungsverordnung (MBV)) einhalten. Zusammen mit den jährlichen Lohnausweisen muss die Gesellschaft allen Inhabern von Mitarbeiterbeteiligungen jeglicher Art (und in einigen Kantonen auch den Steuerbehörden) jährlich eine Beilage zum Lohnausweis vorlegen, in der die Anzahl und bestimmte Angaben zu den Mitarbeiterbeteiligungsrechten, die der Inhaber am Ende der Steuerperiode hält, angegeben sind.

Darüber hinaus muss in jedem Jahr, in dem ein Inhaber von Mitarbeiterbeteiligungen (Mitarbeitender oder ein Mitglied des VR) steuerpflichtige Einkünfte erzielt (z.B. Zuteilung/Verkauf von Mitarbeiteraktien, Ausübung von Optionen, Abgeltung von Phantomaktien), eine zusätzliche Bescheinigung über die erzielten steuerpflichtigen Einkünfte vorgelegt werden. Die Schweizerische Steuerkonferenz hat hilfreiche Mustervorlagen für diese Deklaration veröffentlicht (hier).

Darüber hinaus muss jedes steuerpflichtige Einkommen, das durch eine Mitarbeiterbeteiligung erzielt wird, im Lohnausweis erwähnt werden (Abschnitt 5) und unterliegt der Quellenbesteuerung, wenn auch der ordentliche Lohn des Arbeitnehmers von dieser betroffen ist. Aber auch wenn ein Arbeitnehmer Mitarbeiterbeteiligungsrechte erwirbt, ohne dass dies zu steuerpflichtigem Einkommen führt, ist dies im Lohnausweis zu vermerken (Abschnitt 15).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass jährlich eine Bescheinigung über die vom betreffenden Arbeitnehmer gehaltenen Beteiligungsrechte und eine zusätzliche Bescheinigung über die im vergangenen Jahr im Zusammenhang mit diesen Rechten erzielten steuerpflichtigen Einkünfte (falls vorhanden) ausgestellt werden müssen.

Ausserdem ist zu beachten, dass Kopien der für den Lohnausweis zu erstellenden Beilagen zur Mitarbeiterbeteiligung auch den Sozialversicherungsdeklarationen beigefügt werden müssen.

Die Erstellung der Bescheinigungen kann im Einzelfall oder bei erstmaliger Erstellung etwas kompliziert erscheinen. Aus diesem Grund kann es sinnvoll sein, frühzeitig vor der Einreichung der Bescheinigungen unseren Rat einzuholen.

 

Stempelabgaben

Einlagen in Gesellschaften von direkten Aktionären unterliegen in der Regel der Stempelabgabe von 1% und müssen deshalb der ESTV gemeldet werden. Werden sie anlässlich von Gründungen und Kapitalerhöhungen in Form von Nominalwert oder Ausgabeaufschlag geleistet, kann die Gesellschaft einmalig von einem steuerfreien Betrag von CHF 1 Mio. profitieren. Erst wenn dieser Betrag erreicht ist (er kann auf mehrere Kapitalerhöhungen aufgeteilt werden), fällt die Stempelabgabe an (nur auf den übersteigenden Betrag).

Darüber hinaus kann ggf. ein erhöhter Steuerfreibetrag für eine Sanierung beansprucht werden (siehe unten). Die Steuer wird in der Regel auf den Verkehrswert der Einlage (bei einer Bareinlage der Nominalwert inkl. Agio) nach Abzug der Emissionskosten und Steuern berechnet und muss innerhalb von 30 Tagen nach dem Ende des Kalenderquartals, in dem die Kapitalerhöhung im Handelsregister eingetragen wurde, an die ESTV bezahlt werden. Innerhalb der gleichen Frist ist der ESTV das Formular Nr. 3 mit Kopien der relevanten Unterlagen (z.B. notarielle Urkunden) über die Gründung oder Kapitalerhöhung einzureichen. Bei einer Kapitalerhöhung innerhalb des Kapitalbandes werden die Stempelabgaben jedoch nur insoweit erhoben, als die Erhöhungen die Herabsetzungen während der Geltungsdauer des Kapitalbandes übersteigen. In diesem Fall muss die Stempelabgabe erst innerhalb von 30 Tagen nach Ende des Kalenderquartals, in dem das Kapitalband abgelaufen ist, an die ESTV entrichtet werden.

Einlagen direkter Aktionäre in Form von Einlagen in die Kapitalreserven der Gesellschaft (Zuschüsse), z.B. die Einbringung von Forderungen gegen das Unternehmen (Debt-Equity-Swap) oder die Einlage von Bargeld oder Übertragung von Aktien von Aktionären an die Gesellschaft ohne Gegenleistung, unterliegen ebenfalls der Stempelabgabe. In einem solchen Fall liegt nur dann eine steuerfreie Zuwendung vor, wenn die Gesellschaft die Ausnahme für eine Sanierung beanspruchen kann (siehe unten; der ordentliche Freibetrag von CHF 1 Mio. ist bei informellen Einlagen direkter Aktionäre nicht anwendbar). Stattdessen ist der ESTV das Formular Nr. 4 zusammen mit einer Dokumentation über die Einzahlung einzureichen. Die Frist für die Einreichung des Formulars Nr. 4 und die Entrichtung der Abgabe beträgt 30 Tage ab der Vornahme der Zuwendung.

Im Falle einer Sanierung ist es möglich, von einem zusätzlichen steuerbefreiten Betrag (bis zu CHF 10 Mio.) zu profitieren und gegebenenfalls sogar einen Erlass der verbleibenden Stempelabgabe zu beantragen. Die ESTV verlangt jedoch, dass die Beiträge mit Verlusten verrechnet werden, um die Steuerbefreiung in Anspruch nehmen zu können. Gemäss der Praxis der ESTV ist es nicht möglich, mit Einlagen, die von der zusätzlichen Steuerausnahme profitieren, KER zu bilden. Aus diesen Gründen sollte nach jeder Finanzierungsrunde abgeklärt werden, ob die Stempelabgabe mit den genannten Massnahmen überhaupt vermieden werden kann und wenn ja, wie die Gesellschaft und ihre Aktionäre die Vermeidung der Stempelabgabe im Vergleich zur Bildung von KER bewerten.

 

Mehrwertsteuer

Personen oder Gesellschaften, die ein Unternehmen mit einem steuerbaren Umsatz von mindestens CHF 100’000 betreiben, unterliegen der schweizerischen Mehrwertsteuerpflicht (die “MwSt”). Personen oder Gesellschaften, die ihre unternehmerische Tätigkeit aufnehmen oder durch die Übernahme eines anderen Unternehmens oder die Eröffnung einer neuen Zweigniederlassung erweitern, werden bei Aufnahme oder Erweiterung mehrwertsteuerpflichtig, wenn zu diesem Zeitpunkt davon auszugehen ist, dass der Schwellenwert von CHF 100’000 innerhalb der folgenden zwölf Monate erreicht wird. Ist zu diesem Zeitpunkt nicht absehbar, ob dieser Wert erreicht wird, muss spätestens nach drei Monaten eine Neubeurteilung erfolgen. Ist aufgrund dieser Beurteilung davon auszugehen, dass der Schwellenwert erreicht wird, endet die Befreiung von der Steuerpflicht. In diesem Fall kann gewählt werden, ob die Steuerpflicht rückwirkend auf die Aufnahme oder Erweiterung der Geschäftstätigkeit oder ab dem Zeitpunkt der Neubeurteilung eintritt. Personen oder Gesellschaften, die bisher von der Steuerpflicht befreit waren, werden nach Ablauf des Geschäftsjahres steuerpflichtig, in dem die entsprechende Umsatzgrenze erreicht wird. Wurde die Tätigkeit nicht ein ganzes Jahr lang ausgeübt, muss der Umsatz auf ein ganzes Jahr hochgerechnet werden. Personen oder Gesellschaften, die mehrwertsteuerpflichtig werden, müssen sich innerhalb von 30 Tagen nach Beginn der Steuerpflicht unaufgefordert bei der ESTV anmelden. Eine Online-Anmeldung ist hier möglich (LINK). Aber auch wenn keine obligatorische Mehrwertsteuerpflicht besteht, kann eine freiwillige Registrierung für die MwSt sinnvoll sein. Dies ist denkbar, wenn die erstattungsfähigen Vorsteuern die zu zahlende Umsatzsteuer übersteigen.

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Nichtfinanzielle Berichterstattung und Due Diligence-Pflichten bzgl. Kinderarbeit und Konfliktmineralien

In den letzten Jahren sind in der Schweiz umfassende Pflichten zur nichtfinanziellen Berichterstattung in Kraft getreten, die weitgehend auf EU-Recht und internationalen Standards für verantwortungsbewusstes unternehmerisches Handeln basieren.

Während sich die traditionellen Pflichten zur nichtfinanziellen Berichterstattung an grössere börsennotierte Unternehmen richten, ist der Anwendungsbereich der Sorgfaltspflichten in Bezug auf Kinderarbeit sowie in Bezug auf Mineralien und Metalle aus Konfliktgebieten (Konfliktmineralien), Art. 964j – 964l OR, weiter gefasst und kann je nach Risikoexposition und Wirtschaftssektor auch kleinere Unternehmen sowie Unternehmen betreffen, die Zulieferer grosser, unter die Vorschriften fallender Unternehmen sind. Grundsätzlich sind alle Schweizer Unternehmen verpflichtet, jährlich zu prüfen, ob sie den Sorgfaltspflichten in Bezug auf Kinderarbeit und Konfliktmaterialien unterliegen. Dies gilt insbesondere für Unternehmen mit bestimmten Risiken in ihrer Wertschöpfungskette (z.B. Kakao, Bekleidung, Pharmazeutika, Edelmetalle, etc.). Ist dies der Fall, ergeben sich spezifische Sorgfalts- und Berichtspflichten.

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Kellerhals Carrard

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