Brechbühl folgt auf Thoma

Herzliche Gratulation zur Wahl zum Präsidenten der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft des Kantons Bern. Warum liegt Dir dieses gesellschaftliche Engagement am Herzen?
Weil mir das Unternehmertum am Herzen liegt. Weil wir in Bern mehr unternehmerisches Denken und Handeln brauchen. Und weil Organisationen wie die VWG das wirtschaftliche Verständnis vermitteln.
«Etwas Unternehmen» zieht sich wie ein roter Faden durch Deine Biographie. Welches sind für Dich die wichtigsten unternehmerischen Meilensteine Deiner Karriere?
Ich habe u.a. in Chicago studiert. Dort hat der Nobelpreisträger Ronald Coase gelehrt und uns etwas mitgegeben, das ich nie vergessen habe: "Here in Chicago, we don't ask what you've accomplished, but what your next project will be".
Das versuche ich zu beherzigen. Ich freue mich zwar über Erfolge und ärgere mich über Misserfolge. Beides dauert aber nur kurz und dient primär als Learning für das Nächste.
Drei Beispiele:
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Ich habe viel gelernt beim Aufbau und der Weiterentwicklung der ersten Risikokapitalgesellschaft des Mittellands, von Bern-Venture bzw. BV Holding, deren Geschäftsmodell wir mehrmals angepasst und schliesslich mit der einzig verbleibenden Portfoliogesellschaft SKAN vor einem Jahr an der Börse kotiert haben.
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Bei Kellerhals Carrard haben wir die Weichen im Jahr 2003 gestellt, als wir vor der Entscheidung standen, eine lokale Boutique oder einen nationalen Player zu werden. Heute sind wir an sechs Schweizer Standorten mit 280 Anwältinnen und Anwälten, Ablegern in Tokio und Shanghai und einem Genossenschaftsdach als Holdingplattform die zweitgrösste Kanzlei. Und ich behaupte mal die schweizerischste, weil wir sehr föderalistisch organisiert und in allen drei Sprachregionen präsent sind und weder von Zürich noch von Genf, sondern eben von Bern aus geleitet werden. Diese Erfolgsgeschichte gilt es nun weiterzuschreiben mit der nächsten Generation.
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Mit be-advance wollen wir die Innovationskraft von Berner Unternehmen unterstützen – sowohl von Startups als auch von KMU, die ganz unterschiedliche Bedürfnisse haben.
Neben diesen unternehmerischen Projekten sind mir die Rahmenbedingungen immer sehr wichtig gewesen, denn nur mir den richtigen Rahmenbedingungen kann Unternehmertum prosperieren. Darum engagiere ich mich als Mitgründer und Vorstandsmitglied in gesellschaftlichen Organisationen, die sich für unsere liberale Marktwirtschaft und die Freiheit einsetzen.
Wie fördert Kellerhals Carrard das unternehmerische Denken und Handeln als Arbeitgeberin?
Das ist in der Tat eine Herausforderung, denn der typische Jurist ist von Haus aus vorsichtig, risikoavers mit Tendenz zu Nullrisikotoleranz.
Wir setzen bewusst andere Akzente:
Bei der Auswahl unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Wir suchen eigenständig denkende und kreative Personen, die selbst die Extrameile gehen wollen.
Bei der Aus- und Weiterbildung, indem wir auf interdisziplinäre Teams setzen, die pragmatische Lösungen für die Klienten erarbeiten – ohne «Disclaimer Mentalität».
Bei der Aufnahme neuer Partner/innen: wir wollen Jungunternehmer, die ihr eigenes Geschäftsmodell auf unserer Plattform entwickeln können und mit Passion und Freude mit ihren Kunden ein Wegstück gehen.
Dafür haben wir eigene Labs sowie einen Startup- und Sustainability Desk kreiert, wo wir unternehmerisches Denken und Handeln üben und weitergeben können.